Interview mit Dr. Bettina Uhlich - Die Digitalisierung im Chemiesektor

Verena Fink, geschäftsführende Gesellschafterin von Woodpecker Finch und Mitglied des Fachausschusses Digitale Transformation im AdAR im Gespräch mit Dr. Bettina Uhlich, CIO der Evonik Industries AG, über
die Optionen der Digitalisierung mit innovativen Arbeitsplattformen im Chemiesektor, kritische Erfolgsfaktoren sowie ihre Rolle als Aufsichtsrat dabei. Die promovierte Diplom-Wirtschaftsingenieurin leitet seit 2009 Transformationsprogramme der Evonik Industries AG mit dem Ziel, über die globale Standardisierung von Wertgrößen sowie über die weltweite Harmonisierung von Geschäftsprozessen wertorientierte Geschäftssteuerung nachhaltig zu etablieren. Damit verbunden war die Verantwortung für den Aufbau einer weltweiten IT-Plattform für die ERP- und Business-Warehouse-Systeme auf einem globalen Mandantensystem. Seit November 2014 ist Dr. Uhlich bei Evonik für IT als CIO und Leiterin Global IT Services weltweit zuständig.

BOARD:
Die Evonik Industries AG treibt als ein weltweit führendes Unternehmen der Spezialchemie Digitalisierung voran. Welchen Auftrag hat darin Ihre ITOrganisation?
Bettina Uhlich:
Wir unterstützen als IT-Organisation unsere internen Business-Partner, die Produkte der Spezialchemie von morgen zu entwickeln. Wir optimieren entlang den Anwendungsanforderungen der Kunden und tragen so zu nachhaltig profitablem Geschäftserfolg bei. Dafür nutzen wir jetzt die Optionen der Digitalisierung mit innovativen Arbeitsplattformen. Wir bereiten die Daten, die rund um unsere Chemieprodukte entstehen, für unsere internen Business-Partner so auf, dass sie daraus neue Services entwickeln und neue Marktkanäle erschließen können.
BOARD:
Innovative Arbeitsplattformen erfordern auch andere Kompetenzen im Team. Rekrutieren Sie eine neue Generation von ITlern aus Digital Natives?
Bettina Uhlich:
Wir wollen nicht nur digitale Frontrunner. Wir brauchen weiterhin Leute, die in den klassischen Prozessen zuverlässig IT-Systeme und Applikationen betreiben und Cyber-Sicherheit gewährleisten, die ERP-Verfügbarkeit sichern oder Prozesse weiterentwickeln. Daneben brauchen wir Experten für Edge Computing. Das entspricht der Philosophie unserer IT-Architektur: Ein stabiler „digital Core“ für effiziente Standardprozesse mit flexiblen Applikationen auch über multiple Cloud-Integration für wettbewerbsdifferenzierende Geschäftsprozesse „at the edge“.
BOARD:
Sie sind nicht nur CIO von Evonik, sondern sitzen auch im Aufsichtsrat einer der Beteiligungen von Evonik. Wie nehmen Sie diese Aufgabe mit Blick auf Digitalisierung wahr?
Bettina Uhlich:
Ich interessiere mich dafür, was an Digitalisierungsthemen geplant ist, was schon läuft und wo die Umsetzung geklappt hat. Daran kann ich erkennen, wie gut das Unternehmen vorbereitet ist, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Als CIO habe ich vor allem auch die IT-Risiken im Blick und was
getan wird, um in Cyber Security gut aufgestellt zu sein. Das sind Angriffe, die schnell existenzbedrohend werden.
BOARD:
Wo sehen Sie die kritischen Erfolgsfaktoren, damit IT die Digitalisierungsbewegung in Ihrem Unternehmen
optimal unterstützen kann?
Bettina Uhlich:
Uns war und ist wichtig, ein breites Bewusstsein zu schaffen für die Möglichkeiten der neuen Technologien im Sinne von Chancenorientierung. Wir haben diverse Initiativen gestartet, in denen wir heute mit den Segmenten partnerschaftlich zusammenarbeiten als Befähiger. So können wir gemeinsam unsere Wertschöpfungskette Schritt für Schritt digitalisieren und die Menschen dabei mitnehmen. Ganz
persönlich glaube ich, wir brauchen die Bereitschaft, von jungen Generationen zu lernen, statt das Heute zu
bewahren. Nur so können wir Zukunft ermöglichen.
BOARD:
Zukunft ermöglichen: Wie kann Digitalisierung generationenübergreifend gelingen?
Bettina Uhlich:
Digitalisierung ist ein Buzz Word, dem darf man nicht aufsitzen, das greift zu kurz. Wer versteht, dass Digitalisierung eine kontinuierliche Entwicklung ist mit exponentiell wachsenden Datenmengen
in enormer Geschwindigkeit und unzähligen Möglichkeiten, der erkennt, dass wir einen gesamtgesellschaftlichen Kontext brauchen. Der Kontext erfordert Geduld, Mittel, Unterstützung von allen sozialen Bereichen, der Politik und den Unternehmen sowie Technologiepartnerschaften. Wir werden in Europa nur dann erfolgreich sein, wenn wir die Voraussetzungen schaffen, wie Standards für digitalen Datenaustausch. Das braucht Zeit, Gleichschritt und ein gemeinsames Wollen.
BOARD:
Vielen Dank für das Gespräch.

Hier finden Sie das vollständige Interview als PDF

oder im Archiv der BOARD 3/2019

 

 

 

 

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