Pressemitteilungen AdAR e.V.

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Aufsichtsratsstudie 2022

Strategische Themen zurück auf der Agenda deutscher Aufsichtsräte - Nachhaltigkeit im Fokus

Nach Jahren der Pandemiebewältigung richten die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen ihre Arbeit wieder stärker auf die Strategie aus. Das geht aus der diesjährigen Aufsichtsratsstudie des Arbeitskreises Deutscher Aufsichtsrat (AdAR e.V.) und Hengeler Mueller hervor, die heute beim 11. Frankfurter Aufsichtsratstag vorgestellt wurde. 

Danach ist zwar das Geschehen in der Ukraine und dessen Auswirkungen auch in den Aufsichtsräten präsent (81 Prozent Zustimmung). Mindestens ebenso große Relevanz räumen die Aufsichtsräte aber wieder der Aufstellung des Unternehmens für die Zukunft ein. Mit 86 Prozent erachten die meisten befragten Aufsichtsräte Digitalisierung bzw. die digitale Transformation als zentral. Eine hohe Dynamik hat zudem das Themenfeld ESG und Nachhaltigkeitstransformation. Nach 64 Prozent im Vorjahr erachten inzwischen 80 Prozent der befragen Aufsichtsräte dieses als relevant. Die Aufarbeitung der Folgen der Covid-19-Pandemie ist dagegen etwas in den Hintergrund gerückt, auch wenn sie sich nach wie vor auch in den Lieferketten niederschlägt. Nachdem sie die Aufsichtsratsagenda im vergangenen Jahr klar bestimmt hat (Zustimmungsrate von 91 Prozent), rangiert sie in der Prioritätenliste der Befragten aktuell nur noch bei 75 Prozent Zustimmung.

"Die Gleichzeitigkeit von permanenter Krisenbewältigung, Aufbau von Resilienz und Arbeit an der Zukunft des Unternehmens wird Aufsichtsräte auch künftig fordern", sagt Dr. Daniela Favoccia, Partnerin bei Hengeler Mueller und Co-Autorin der Studie. "Schließlich sind künftige Krisenthemen wie die Einstellung auf ein zunehmend rezessives wirtschaftliches Umfeld und der Umgang mit einer Verknappung der Versorgung mit konventioneller Energie bereits im Tagesgeschäft angekommen."

Das Gewicht des Themas Nachhaltigkeit äußert sich zunehmend auch organisatorisch in den Aufsichtsgremien und trägt insofern Forderungen nach besonderer Nachhaltigkeitsexpertise Rechnung. Eine knappe Mehrheit (51 Prozent) der Befragten sieht die Expertiseanforderung bei ihren Unternehmen bereits erfüllt, bei den börsennotierten Unternehmen sogar 62 Prozent. Dabei wird Nachhaltigkeitsexpertise auf ganz unterschiedliche Weise adressiert. So sehen die meisten der befragten Aufsichtsräte (76 Prozent) aktuell Weiterbildungen als Mittel der Wahl. 72 Prozent setzen auf Gremienmitglieder mit einem entsprechenden beruflichen Hintergrund, während 63 Prozent Berater hinzuziehen würden. Die Berücksichtigung von ESG-Themen über Nachhaltigkeitsbeauftragte oder -ausschüsse ist dagegen derzeit nicht die Norm. Lediglich 12 Prozent der Befragten gaben an, eine solche Lösung in ihren Aufsichtsräten gefunden zu haben, dabei liegt der Anteil bei börsennotierten Unternehmen mit 22 Prozent jedoch deutlich höher. Die Abbildung von ESG-Themen über das Plenum ist mit 58 Prozent Zustimmung derzeit noch am weitesten verbreitet. 

"Wir sehen im Markt eine hohe Dynamik bei der Verankerung der unternehmerischen Schlüsselherausforderung Nachhaltigkeit in den Aufsichtsgremien, auch wenn sich dies aktuell noch nicht in den Zahlen unserer Studie niederschlägt", sagt Prof. Dr. Stefan Siepelt, Geschäftsführender Vorstand des Arbeitskreises deutscher Aufsichtsrat (AdAR) und Co-Autor der Studie. "Für die effektive Kontrolle und Beratung der Geschäftsleitung im Unternehmensinteresse ist der Aufbau fachlicher Expertise in den Aufsichtsräten essenziell."
Weitere Ergebnisse der Studie:

 

  • Die befragten Aufsichtsräte sind mit ihrer Ressourcenausstattung für ihre Arbeit überwiegend zufrieden. Personelle Ressourcen genießen die größten Zustimmungswerte (75 Prozent), gefolgt von der finanziellen Ausstattung (73 Prozent).
  • Bei der Abbildung rechtlich geforderter Finanzexpertise im Aufsichtsrat setzen die meisten Aufsichtsgremien auf vorhandene CFO-Erfahrung (79 Prozent Zustimmung), Fortbildungen (65 Prozent) und die Tätigkeit oder einen Abschluss als Wirtschaftsprüfer (66 Prozent).
  • Neben dem Kompetenzprofil möglicher Kandidatinnen und Kandidaten spielen bei der Aufsichtsratsbesetzung aus Sicht der Befragten vor allem Persönlichkeit (92 Prozent Zustimmung), Teamfähigkeit (76 Prozent), interkulturelle Kompetenz (67 Prozent) und Internationalität (49 Prozent) eine Rolle.
  • Die Vorstandsnachfolgeplanung ist bei 74 Prozent der Befragten relevanter Teil der Aufsichtsratsarbeit. Dabei werden in den meisten Fällen Aufsichtsratsvorsitzende (61 Prozent) und der Personalausschuss oder ein vergleichbarer Ausschuss (55 Prozent) involviert, die Personalabteilung der Unternehmen spielt eine untergeordnete Rolle (19 Prozent).
  • Der Fachkräftemangel ist inzwischen auch auf Ebene der Führungskräfte angekommen. Sieben von zehn befragten Aufsichtsräten (69 Prozent) konstatieren einen Mangel an geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten oder bezeichnen die Größe des Nachfolgepools (71 Prozent) als zentrale Herausforderung der Nachfolgeplanung. Führungskräfteentwicklung spielt daher eine entscheidende Bedeutung im Kontext der Nachfolgeplanung (82 Prozent Zustimmung).

Die vollständige Studie kann unter www.adar.info abgerufen werden.

Über AdAR
Der Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat (AdAR) e.V. ist eine unabhängige Initiative zur nachhaltigen Unterstützung und weiteren Professionalisierung deutscher Aufsichtsräte. AdAR verbindet dabei die praktischen Bedürfnisse der Aufsichtsratsarbeit mit wissenschaftlicher Qualität unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Entwicklung. Neben den Gründungsmitgliedern bilden die Fachmitglieder das inhaltliche Rückgrat von AdAR, die die inhaltliche Arbeit des Vereins unterstützen und die inhaltlichen Angebote mit realisieren. Hierzu gehören bekannte Anwaltskanzleien, große Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und erfahrene Beratungsunternehmen.

Über Hengeler Mueller
Hengeler Mueller ist eine internationale Anwaltssozietät mit Büros in Berlin, Brüssel, Düsseldorf, Frankfurt, London und München und Fachmitglied bei AdAR. Mit rund 320 Anwältinnen und Anwälten, davon 90 Partnerinnen und Partner, ist die Kanzlei auf die Rechtsberatung in komplexen Transaktionen, streitigen Auseinandersetzungen sowie Sondersituationen spezialisiert. Zu den Hengeler Mueller-Mandanten gehören große Wirtschaftsunternehmen ebenso wie führende Investoren und Familienunternehmen in Europa und weltweit.
 

Medienkontakt
Jörg Schick, Geschäftsführer
Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat e.V. (AdAR), Mevissenstr. 15, 50668 Köln
schick@adar.info – T +49 55 400-180

Philipp Schröter, Senior Manager Communications
Hengeler Mueller Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB, Bockenheimer Landstraße 24, 60323 Frankfurt am Main
philipp.schroeter@hengeler.com – T +49 69 17095 204
 

AdAR, ArMiD und FEA veröffentlichen Praxisleitfaden zur systematischen Aufsichtsratsbesetzung (19.6.2017)

    • Praxisleitfaden unterstützt Aufsichtsräte, neue Kodexanforderungen zu erfüllen
    • Systematische Besetzungsprozesse auf Basis klarer Kompetenzprofile
    • Wahlvorschläge gegenüber der Hauptversammlung begründen
    • Wiederwahl soll bei Überschreiten der Regelgrenze begründet werden

Köln/Düsseldorf/Frankfurt, 19.06.2017. Die drei Aufsichtsratsvereinigungen Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat e.V. (ADAR), Aufsichtsräte Mittelstand in Deutschland e.V. (ArMiD) und die Financial Experts Association e.V. (FEA) haben heute einen Praxisleitfaden zur systematischen Aufsichtsratsbesetzung veröffentlicht. Die Aufsichtsratsvereinigungen halten einheitliche, systematische Qualitätsstandards für transparente Besetzungsprozesse von Aufsichtsräten für dringend geboten. Grundlage soll eine langfristige Nachfolgeplanung sein. Mit dem Positionspapier operationalisieren AdAR, ArMiD und FEA die Vorgaben der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex. Die Regierungskommission hatte mit ihren Vorschlägen zu Kodexänderungen 2017 die Empfehlungen zur Zusammensetzung des Aufsichtsrats gemäß Ziffer 5.4 DCGK deutlich weiter-entwickelt. Dies betrifft sowohl die Professionalisierung der Besetzungsprozesse als auch die Transparenz gegenüber den Aktionären der Gesellschaft. Die drei Vereinigungen begrüßen diesen Schritt ausdrücklich.

Aufsichtsratsvereinigungen empfehlen Abgleich von Soll- und Ist-Profilen

Konkret empfehlen AdAR, ArMiD und FEA die Entwicklung eines detaillierten Kompetenzprofils des Aufsichtsrats und einen regelmäßigen Vergleich der Soll- und der Ist-Profile der Aufsichtsräte auf Basis einer langfristigen Nachfolgeplanung. Dabei sollen Kandidaten in einem wettbewerblichen Prozess anhand von Anforderungsprofilen ausgewählt und mit einer daran orientierten Begründung der Hauptversammlung vorgeschlagen werden. Auch für die Wiederwahl von Aufsichtsräten empfehlen die Aufsichtsratsvereinigungen eine Begründung – sofern die vom Unternehmen festzulegende Regelgrenze der Zugehörigkeit oder die festgelegte Altersgrenze überschritten wird. Die Aktionäre sollen grundsätzlich dauerhaft und transparent auf der Website der Unternehmen über den Besetzungsprozess, die Anforderungsprofile und Aufsichtsratsprofile informiert werden. Darüber hinaus empfehlen AdAR, ArMiD und FEA die Einführung von „Staggered Boards“: Dieser regelbasierte Erneuerungsprozess erleichtert eine evolutorische Entwicklung von Aufsichtsgremien. Gleichzeitig vermeiden Aufsichtsräte mit einem „Staggered Board“, dass eine komplette Neuwahl des gesamten Gremiums die Kontinuität der Aufsichtsratsarbeit gefährdet. Nicht zuletzt schlagen die Aufsichtsratsvereinigungen regelmäßige Fortbildungsprogramme für die Aufsichtsräte vor.

Das Positionspapier sowie ein exemplarisches Kompetenzprofil des Aufsichtsrats finden Sie im Anhang zur Pressemitteilung.

AdAR-Förderpreis (17.2.2017)

AdAR vergibt 2017 erstmalig den AdAR-Förderpreis. Mit dem ADAR-Förderpreis werden herausragende Abschlussarbeiten (Bachelor- und Masterstudiengänge), Dissertationen oder Monografien mit hoher Praxisrelevanz, die der Unterstützung und Weiterentwicklung aktueller Aufsichtsratsarbeit dienen, in Kooperation mit dem Bundesanzeiger Verlag als Medienpartner prämiert und deren Veröffentlichung gefördert.

2017 geht der erste AdAR-Förderpreis an Dr. Jan Baumann LL.M. für den Fachtitel „Die Rechte des einzelnen Aufsichtsratsmitglieds“. Das vorliegende Werk in Form einer Dissertation verbindet fundierte rechtswissenschaftliche Theorie mit praxisnahen Anforderungen der Aufsichtsratsarbeit.

Weitere Informationen zum AdAR-Förderpreis

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Aufsichtsratsstudie 2022

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