2. Frankfurter Aufsichtsratstag am 18. September 2013

Veranstaltungsbericht zum 2. Frankfurter Aufsichtsratstag 2013

Reger Austausch und Information zur Aufsichtsratsarbeit auf dem Jahreskongress vom Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat (AdAR) e.V.

Am 18.09.2013 lud der Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat (AdAR) e.V. im Rahmen seines Jahreskongresses gemeinsam mit der Gruppe Deutscher Börse sowie dem Deutschen Aktieninstitut, der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und dem Bundesanzeiger Verlag zum 2. Frankfurter Aufsichtsratstag in das Auditorium des Commerzbank Towers. Mit wiederum über 100 Teilnehmern aus allen Bereichen der Wirtschaft und zahlreichen aktiven Aufsichtsräten stellt der AdAR-Kongress den bedeutendsten und die am besten besuchte Veranstaltung zu Fragen des Aufsichtsrates in Deutschland dar und hat sich als solche etabliert.

Auch dieses Jahr gab es wieder viele interessante Vorträge und drei spannende Panels, die aktuelle Fragen rund um Aufgaben und Inhalte der Aufsichtsratsarbeit behandelt haben. Dr. Joachim Faber, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Börse AG und jüngst berufenes Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex hielt zunächst eine begeisternde Eröffnungsrede. Zentrale Themen waren die gestiegenen rechtlichen Anforderungen sowie auch der Blick auf eine nachhaltige Unternehmensentwicklung aus dem Gesichtspunkt der Corporate Social Responsibility. Daneben wurden aber auch die Regeln für gute Corporate Governance aus unterschiedlichen Perspektiven betont, die unter anderem als prägendes Merkmal die Unabhängigkeit, und hier vor allem auch geistige Unabhängigkeit, des einzelnen Aufsichtsratsmitglieds umfassen.

Anschließend folgte ein Vortrag von Christian Strenger, langjähriges Mitglied der Kodex-Kommission und Aufsichtsratsmitglied unter anderem bei der DWS Investment GmbH, welcher sich mit Fragen der Vorstandsvergütung, deren zutreffenden Bemessung sowie dem regulatorischen Umfeld beschäftigte und darüber hinaus die Frage formuliert hat, ob die gesetzlichen Regelungen zum sogenannten cooling-off nicht in anderer Form sinnvoller hätten gestaltet werden können. Sodann hat sich Frau Prof. Dr. Susanne Kalss von der Wirtschaftsuniversität Wien mit der Frage der Aufsichtsratsvergütung und deren Entwicklung vor dem Hintergrund der gestiegenen Anforderungen an den Aufsichtsrat beschäftigt. Die als eine der profiliertesten österreichischen Unternehmensrechtler bekannte Susanne Kalss zeichnete zunächst einen historischen Abriss in der Entwicklung der Aufsichtsratsvergütung, um sodann deren rechtlichen Rahmen sowie aber auch die Unterschiedlichkeiten im deutschen und österreichischen Recht aus dem Blickpunkt der historischen Entwicklung darzustellen. So stellt es eine Besonderheit des österreichischen Rechts dar, dass die Arbeitnehmervertreter dort keinerlei Aufsichtsratsvergütung erhalten. Daneben wurde aber auch deutlich, dass es mit Blick auf die gestiegenen Anforderungen zukünftig nicht nur einer Erhöhung der Aufsichtsratsvergütungen bedürfen wird, sondern möglicherweise auch unterschiedliche Vergütungsmodelle mit Blick auf unterschiedlich intensive Belastungen innerhalb des Aufsichtsrates zu beobachten sein werden.

Im Anschluss daran diskutierte das erste Panel unter Leitung von Frau Prof. Dr. Dauner-Lieb unter Beteiligung von Herrn Prof. Dr. Heribert Hirte, anerkannter Gesellschaftsrechtler der Universität Hamburg, der nun für die CDU in den Bundestag einzieht, sowie Frau Dr. Christine Bortenlänger, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des deutschen Aktieninstituts und Volker Potthoff, Vorsitzender des Vorstands von ArMiD und ehemaliges Mitglied der Deutschen Corporate Governance Kommission. Die Frage nach dem Verhältnis von Politik und Corporate Governance wurde gemeinhin dahingehend beantwortet, dass die Entwicklung der Corporate Governance weiterhin bei einer Regierungskommission verbleiben soll, die ihrerseits die Wurzeln in der Privatwirtschaft verankert hat und so durch eigene Formulierung einer best practice auch den jeweiligen Veränderungen im Wirtschaftsleben angemessen Rechnung tragen kann, ohne direkt das enge Korsett legislativen Handelns tragen zu müssen. Dabei sieht sich die Kodex-Kommission immer wieder der Problematik ausgesetzt, dass nicht zuletzt zu Zeiten politischen Wahlkampfs häufig aktuell diskutierte Themen auch Gegenstand von Gesetzesinitiativen werden, die nicht allein primär sachorientiert sind, sondern durchaus auch populistischen Hintergrund haben.

Daneben wurde aber vor allen Dingen beklagt, dass seitens der Privatwirtschaft bedeutende Schritte in der Entwicklung der Corporate Governance gemacht werden konnten und diese auch in ihrer Ausrichtung ganz neue Inhalte gefunden hat, ohne dass dies bisher ausreichende Würdigung erfahren hat. Während es in der Vergangenheit darum ging, den deutschen Kapitalmarkt zu stärken und diesen für ausländische Investoren transparent zu machen, ist die Aufgabe nunmehr stärker in Richtung auf Leitlinien für gute Unternehmensführung ausgerichtet. Daneben wurde festgestellt, dass es zwar positiv zu vermerken sei, dass es nunmehr verschiedene Public- Kodices gebe, diese aber bei weitem noch nicht zu einer vergleichbaren Durchdringung bei Unternehmen der öffentlichen Hand geführt haben, wie dies bereits in der Privatwirtschaft der Fall sei.

Nach einer angeregten Diskussion stellte sodann Frau Dr. Viktoria Kickinger die neueste Entwicklung im Bereich der medialen Unterstützung von Aufsichtsräten dar. Mit dem nunmehr seit September bestehenden Angebot unter www.directorschannel. tv hat die Vorsitzende des österreichischen Aufsichtsratsverbandes INARA dieses völlig neue Format erläutert, welches in kurzen TV-Beiträgen einem Aufsichtsrat ermöglicht, unterschiedlichste Themen erläutert zu erhalten und unter anderem auch auf Datenbanken wie der von AdAR zurückgreifen zu können. Die Unterstützung der Aufsichtsräte on demand ist damit in eine neue Qualitätsstufe eingetreten.

Nach der Mittagspause hat sodann Herr Dr. Alexander von Frankenberg, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds dargestellt, welche besonderen Anforderungen an Beiräte und Aufsichtsräte in der sogenannten Seed-Phase zu stellen sind und welche Indikatoren auf eine gute oder schlechte Unternehmensentwicklung schließen lassen. Es wurde deutlich, dass von Aufsichtsräten/Beiräten in dieser frühen Phase neben einem erheblichen unternehmerischen Erfahrungspotenzial und der Eröffnung von Netzwerken auch ein besonderes Gespür für den Umgang mit den Unternehmensgründern gefordert ist. Im Anschluss hat Herr Dr. Walter Jochmann von Kienbaum erläutert, dass Teil guter Corporate Governance auch die Frage von´Transparenz der Kompetenz im Aufsichtsrat ist. Hierzu hat er verschiedene Darstellungsformen aufgezeigt, mit welcher die jeweiligen Kompetenzprofile der Aufsichtsratsmitglieder beschrieben aber auch erfasst werden können.

Eine weitere wesentliche Frage, die auch in der Folge mit dem Publikum intensiv diskutiert wurde, war dabei in wieweit der Aufsichtsrat bei der Nominierung der Kandidaten die Auswahlkriterien sowie deren einzelne Kompetenzprofile transparent machen soll, um so auch eine effektive Wahlentscheidung zu ermöglichen. Auf dieser Basis wurde im zweiten Panel das Thema Diversität – Mehr als nur Frauenquote – intensiv besprochen, wobei die Vorgenannten gemeinsam mit Frau Dr. Kickinger, Herrn Marc Tüngler, dem Hauptgeschäftsführer der DSW sowie Herrn Ulrich Hocker, Präsident der DSW und Mitglied der Corporate Governance- Kommission, diskutiert haben. Auch hier wurde deutlich, dass Diversität durchaus die Zusammensetzung des Aufsichtsrates in besonderer Weise kennzeichnet und unterschiedliche Kompetenzprofile der Aufsichtsratsmitglieder in der Summe gerade eine unternehmensbezogene, mit Branchenkenntnis ausgestatte „Schwarmintelligenz“ abbilden können, welche ihrerseits geeignet ist, den Vorstand nicht nur zu beaufsichtigen, sondern auch sachgerecht zu unterstützen.

Nach einer daran anschließenden Pause behandelte sodann das abschließende Panel die Frage, ob der Aufsichtsrat am Anfang oder am Ende der Compliance-Kette steht. Unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Siepelt diskutierten Dr. Klaus Buhleier von der Deloitte & Touche GmbH, Herr Dr. Hans-Peter Kohlhammer, Aufsichtsratsmitglied unter anderem bei KMS Kabelfernsehen München und der Deutschen Steinzeug AG, Herr Dr. Eckart Sünner, Aufsichtsratsmitglied der Infineon Technology AG sowie K+S AG und ehemaliger Compliance-Chef der BASF SE sowie Herr Rudolf X. Ruter von der Financial Experts Association die Frage, ob es gerade auch die Aufgabe des Aufsichtsrates ist, sich verstärkt bei Fragen der Compliance und eines angemessenen Compliance Management Systems einzubringen. Grundlage hierfür sind die mittlerweile umfassenden Regelungen auch zur Beachtung von Compliance, die sich im Corporate Governance-Kodex befinden und Ausprägung der Entwicklung unternehmensbezogener und nachhaltiger Unternehmensführung sind. Hier zeigte sich im Ergebnis, dass neben einer nunmehr auch auf Ebene des Aufsichtsrates sicherlich bestehenden sekundären Verantwortung für die Einrichtung einer funktionierenden Compliance-Organisation vor allen Dingen die Frage von Charakter und Persönlichkeit eine besondere Rolle spielt.

Dies nicht nur in der Zusammensetzung der Aufsichtsräte, sondern gerade auch bei der Auswahl der Aufsichtsräte mit Blick auf die Unternehmensführung in Form von Vorstand oder Geschäftsführung. Denn nur wenn schon im Auswahlprozess auch darauf geachtet werde, dass bestimmte für das Unternehmen als wesentlich erkannte Werte auch den zukünftigen Führungspersönlichkeiten zugesprochen werden können, kann in der Folge auch von einer effektiven Umsetzung und gelebter Compliance gesprochen werden. Zum Abschluss gingen die Besucher mit vielen neuen inhaltlichen Anregungen aber auch angeregten Gesprächen sowie neuen Kontakten versehen auseinander und es wurde allseits schon die Vorfreude auf den nächsten Aufsichtsratstag zum Ausdruck gebracht.

 

 

Programm des 2. Frankfurter Aufsichtsratstages 2013

10:00 Beginn (Einlass ab 9:00)

10:15 Eröffnungsrede Dr. Joachim Faber– Aufsichtsratsvorsitzender Deutsche Börse AG

10:45 Vorstandsvergütung: wer entscheidet wirklich? Vortrag von Christian Strenger – Aufsichtsratsmitglied u.a. bei DWS Investment GmbH, Fraport AG, TUI AG und Evonik Industries AG

11:15 Zukunft der Aufsichtsratsvergütung Vortrag von Prof. Dr. Susanne Kalss, LL.M. – Wirtschaftsuniversität Wien

11:45 kurze Pause

12:00 Panel:

Politik und Corporate Governance u.a. mit Christian Strenger Aufsichtsratsmitglied u.a. bei DWS, Fraport, TUI und Evonik, Prof. Dr. Susanne Kalss, LL.M. Wirtschaftsuniversität Wien, Prof. Dr. Barbara Dauner-Lieb Universität zu Köln, Prof. Dr. Heribert Hirte Universität Hamburg, Dr. Christine Bortenlänger geschäftsführendes Vorstandsmitglied DAI, Volker Potthoff Vorsitzender des Vorstands von ArMiD und ehem. Mitglied DCGK-Kommission

12:45 Aufsichtsratsfortbildung und moderne Medien Vortrag von Dr. Viktoria Kickinger – Director’s Channel und INARA 13:00 Mittagspause

14:15 Zusammensetzung des Aufsichtsrats in der Seed-Phase Kurzvortrag von Dr. Alexander v. Frankenberg – Gf der High-Tech Gründerfonds GmbH

14:30 Farbe bekennen: Transparenz der Kompetenz im Aufsichtsrat Vortrag von Dr. Walter Jochmann – Kienbaum Consultants International GmbH

14:45 Panel:

Diversität – mehr als nur Frauenquote u.a. mit Dr. Alexander v. Frankenberg Gf der High-Tech Gründerfonds GmbH, Dr. Walter Jochmann Kienbaum Consultants International GmbH, Ulrich Hocker Mitglied DCGK-Kommission und Präsident der DSW e.V., Dr. Wilfried Robers Vorsitzender der Aufsichtsrätekommission des VAA und AR-Mitglied bei Evonik Industries

15:30 kurze Pause

15:45 Panel:

Der Aufsichtsrat am Anfang oder am Ende der Compliance-Kette? u.a. mit Prof. Dr. Stefan Siepelt Vorstandsmitglied AdAR, Prof. Dr. Bernd Schichold Beirat der FEA und Graf Lambsdorff & Compagnie, Prof. Dr. Wolfgang Blättchen Blättchen Financial Advisory GmbH und AR-Mitglied u.a. bei Aixtron SE und APCOA Parking AG, Dr. Claus Buhleier Deloitte & Touche GmbH, Dr. Hans-Peter Kohlhammer AR-Mitglied u.a. bei KMS Kabelfernsehen München GmbH und Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG

16:30 Schlusswort

Dr. Joachim Faber
Prof. Dr. Susanne Kalss
Vortrag von Dr. Alexander v. Frankenberg
 
Vortrag von Christian Strenger
Dr. Walter Jochmann, Dr. Alexander v. Frankenberg, Marc Tüngler, Dr. Viktoria Kickinger, Ulrich Hocker
Prof. Dr. Heribert Hirte, Prof. Dr. Barbara Dauner-Lieb, Dr. Christiane Bortenlänger, Volker Potthoff
 

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