3. Frankfurter Aufsichtsratstag am 25.09.14

Veranstaltungsbericht 3. Frankfurter Aufsichtsratstag

Am 25.09.2014 hat der Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat (AdAR) e.V. nun schon zum 3. Jahreskongress gemeinsam mit der Gruppe deutscher Börse, dem Deutschen Aktieninstitut, der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und dem Bundesanzeiger Verlag in das Auditorium des Commerzbank Towers eingeladen. Mit wiederum weit über 100 Teilnehmern aus allen Bereichen der Wirtschaft und zahlreichen aktiven Aufsichtsräten wurde zu aktuellen Themen unter dem Motto „Der Aufsichtsrat zwischen Eigenverantwortung und Regulierung“ aus berufenem Munde vorgetragen und intensiv mit den Teilnehmern diskutiert.

Zum Auftakt hat Herr Prof. Dr. Edgar Ernst, Aufsichtsrat verschiedener großer Gesellschaften sowie Präsident der Deutschen Prüfstelle für Rechnungswesen die deutlich gestiegene Bedeutung des Aufsichtsrates hervorgehoben, welche mit der zunehmenden Regulierung und Aufgabenzuweisung in Folge von Regulierung an den Aufsichtsrat festzustellen sei. Neben vielen weiteren Aspekten der Aufsichtsratsarbeit hob er besonders die Bedeutung der Effizienzprüfung für eine qualitätsvolle Aufsichtsratsarbeit hervor, die nur bei einer sachgerechten Selbstreflektion auf Dauer den an sie zu stellenden Anforderungen genügen werde. Hierzu gehöre nicht nur offener Meinungsaustausch, sondern gegebenenfalls auch eine externe Moderation, um die Aussagequalität weiter zu schärfen.

Herr Michael Hendricks und Dr. Burkhard Fassbach stellten die Besonderheiten der D&O-Versicherung aus Sicht des Aufsichtsrates dar und zeigten insbesondere auf, dass Aufsichtsräte in aller Regel sich nicht in der nötigen Tiefe um ihre Vermögensschadensversicherung kümmern, diese sogar in aller Regel gar nicht von ihnen selbst mit verhandelt wurde. Besondere Berücksichtigung sei dabei dem sogenannten „Twin-Tower-Modell“ zu schenken, wonach der Aufsichtsrat gerade unter dem Aspekt der verstärkten Geltendmachung von Haftungsansprüchen gegen die Geschäftsführung eines eigenen, vom Vorstand unabhängigen Versicherungsschutzes bedürfe.

An diese lebhaft diskutierten Vorträge wurde sodann mit einem Panel zum Thema „Decide on pay“ angeschlossen, welches unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Dauner-Lieb mit Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hommelhoff, Herrn Prof. Dr. Möller sowie Frau Benner-Heinacher besetzt war. Herr Prof. Hommelhoff wies zunächst darauf hin, dass die geplante Entscheidungszuweisung über Vergütungsgrundsätze zur Hauptversammlung zwar keine Entmachtung des bisher allein für diese Fragen zuständigen Aufsichtsrates darstelle, aber einen wesentlichen Teil dessen Entscheidungsbefugnis beschneide. Denn der Aufsichtsrat habe zukünftig dann einen entsprechenden HV-Beschluss umzusetzen, was Abbild der Kompetenzverlagerung sei. Jedoch sei dabei zu berücksichtigen, dass der Inhalt des jeweiligen HV-Beschlusses einem Vorschlag regelmäßig folge, welcher seinerseits wiederum durch den Aufsichtsrat erheblich vorgeprägt sei, womit der Aufsichtsrat auf die Inhalte des konkreten Hauptversammlungsbeschlusses auch einwirken könne. Ob und inwieweit die Hauptversammlung überhaupt der geeignete Ort sei, über Vergütungsfragen zu entscheiden und dort auch die nötige Sachkunde vorhanden ist, bildete dann den Diskussionsinhalt mit dem Panel. Darüber hinaus wurden bei dieser Gelegenheit auch die neuen EU-Vorschläge zu diesen Fragen diskutiert, die nach einhelliger Auffassung häufig zunächst primär das monistische System und nicht das deutsche duale System im Blick haben.

Nach der Mittagspause wurde offiziell mit einem kräftigen und symbolischen Handschlag die Kooperation zwischen dem Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat und der Financial Expert Association besiegelt. Durch die zukünftige enge Zusammenarbeit zwischen diesen beiden großen Verbänden soll die thematische Arbeit für Aufsichtsräte noch weiter intensiviert und qualifiziert betrieben werden. Insgesamt sind über die Mitglieder in beiden Verbänden sowie die schon bestehenden Kooperationen von AdAR auch mit dem Deutschen Aktieninstitut, der Deutschen Börse Group und dem Directors Channel verbunden mit freundschaftlichen Kontakten zu ArMid alle relevanten Gruppen der Interessenvertretung von Aufsichtsräten zusammengeführt und im inhaltlichen substantiellen Austausch mit AdAR.

Im Anschluss gaben Frau Dr. Christine Bortenlänger sowie Herr Frank H. Lutz, CFO Bayer Materialscience im Dialog verschiedene Einblicke in die praktische Auswirkung der zunehmenden Regulierung auf die Aufsichtsratsarbeit. In diesem Zusammenhang wurde insbesondere deutlich, dass z.B. eine starre Altersgrenze, wie nach den Vorgaben des deutschen Cooperation Governance Kodex gefordert, in aller Regel zu unflexibel ist, da es bereits jüngere, weniger leistungsfähige Mitglieder von Aufsichtsräten geben kann wie es auch ältere, immer noch sehr leistungsfähige und von hohem Erfahrungspotential getragene Aufsichtsräte gibt, die dann an einer formalen Hürde unnötig scheitern und damit einen Kompetenzverlust für die betroffenen Gesellschaften darstellen würden.

Sodann stellte Prof. Dr. Peter Ruhwedel die neuen Anforderungen an den Aufsichtsrat in Finanzdienstleistungsunternehmen vor. An dem Beispiel der Finanzdienstleister, welche immer noch unter dem Makel der Finanzkrise leiden, wird besonders deutlich, dass der Gesetzgeber sich zukünftig nicht mehr wie in der Vergangenheit aus der Frage formulierter Anforderungen an Mitglieder des Aufsichtsorgans heraushält, sondern auch einer gesellschaftlichen Strömung in Reaktion auf die Finanzkrise folgend mit konkreten Vorgaben für die Zusammensetzung des Aufsichtsrates reagiert. Damit schließt sich der Kreis zu dem Eingangsvortrag von Herrn Prof. Dr. Ernst, welcher die zunehmende Bedeutung des Aufsichtsrates als notwendige Korrelation zu der einerseits erfolgten Regulierung sowie der andererseits damit verbundenen verstärkten Aufgabenzuweisung an den Aufsichtsrat sieht.

Abschließend hat sodann Herr Prof. Dr. Jürgen Thömmes die gemeinsam von der Fachhochschule der Wirtschaft (FHdW) und AdAR durchgeführte Studie zu Aufsichtsräten und Beiräten im Mittelstand vorgestellt. Die Studie betritt inhaltliches Neuland insoweit, als dass gerade der die deutsche Wirtschaft in starkem Maße tragende Mittelstand bisher kaum Gegenstand effektiver wissenschaftlicher Betrachtungen mit Blick auf seine Aufsichtsgremien war. Es wurde deutlich, dass der Mittelstand häufig nicht börsennotiert und damit bestimmten Regularien entzogen ist und trotz zumeist familiengeführter Strukturen mit einem selbstgewählten Aufsichts-Regime ausgestattet ist, welches sich als leistungsfähig und insoweit im positiven Sinne selbstreguliert zeigt. Die Studie kann  nach wie vor über AdAR und den Bundesanzeiger Verlag bezogen werden.

Nach einem Tag voll angeregter Diskussionen, neuer thematischer Inhalte und der Gelegenheit zum intensiven Austausch der Teilnehmer endete dann ein von diesen auch allgemein als sehr gut und informativ bewerteter Frankfurter Aufsichtsratstag, der im September 2015 dann zum 4. Mal in Frankfurt stattfinden wird.

Programm des 3. Frankfurter Aufsichtsratstages 2014

Eine vollständige pdf-Version des Programms können Sie hier einsehen.

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