Aktuelles Interview mit Keith Krach - Der Kampf für eine Welt ohne Papier

Mit seiner Cloud-Lösung erzielt DocuSign einen Erdrutschsieg für sichere digitale Signaturen und automatisierte Geschäftsprozesse. Bereits mehr als 200 Millionen Menschen in 188 Ländern unterzeichnen ihre Geschäftstransaktionen mit DocuSign virtuell. Mit einem geschätzten Wert von 3 Milliarden Dollar und 300.000 neuen Nutzern jeden Tag istDocuSign bahnbrechend in der Automatisierung und Digitalisierung von Geschäftsprozessen.

 Keith Krach ist ein Pionier der Robotertechnik für General Motors. Krach gründete sein erstes Start-Up-Unternehmen, Rasna Corporation, Ende der 1980er mit der revolutionären Idee, computerbasierte Designs in automatisierte Prozesse zu integrieren und verkaufte die Software in den 1990ern für 500 Millionen Dollar. Der Idee der Automatisierung von Managementprozessen folgend, baute er Ariba auf, ein webbasiertes Handelsnetzwerk, das später für 4,3 Milliarden Dollar an SAP verkauft wurde. 2011 übernahm er das Start-Up DocuSign mit der Mission, Geschäftsprozesse zu automatisieren und zu digitalisieren. Heute wird der Vater von fünf Kindern in einem Atemzug mit Bill Gates und Steve Jobs genannt und ist Teil des legendären Netzwerks von Silicon Valley-Ikonen.

Im folgenden Interview spricht Verena Fink, Gründerin von Woodpecker Finch und Beraterin für kundenzentrierte Innovation als Expertin für digitale Impulse aus dem Silicon Valley für die BOARD mit Krach darüber, wie Vertrauen die Geschäftswelt verändert.

BOARD: Die Digital Transaction Management Platform von DocuSign scheint ein Schweizer Taschenmesser zu sein. Wie würden Sie sie in einem Wort beschreiben?

Keith Krach: Mit einem Wort ist DocuSign: Vertrauen. Wir bieten diesen Trusted Service über das DocuSign Global Trust Network an, da es um die sensibelsten Dokumente unserer Kunden geht. Dokumente, die man unterzeichnet, die wichtigsten Entscheidungen, jene, für die man Konformität, Datenschutz und Sicherheit benötigt. Es ist ein zuverlässiges Netzwerk, das schnelle, reibungslose und sichere Transaktionen global ermöglicht. Vertrauen ist alles.

BOARD: Warum hat Paul Achleitner DecuSign als Vermittler für die digitale Transformation Europas beschrieben?

Keith Krach: Nun ja, alle reden über künstliche Intelligenz und Big Data. Paul stimmt mit mir überein, dass der erste Schritt ist, sich von Papier zu befreien. Wenn man sich einmal genau anschaut, wo Papier dieser Tage verwendet wird, dann in 80 % der Fälle dort, wo eine Unterschrift benötigt wird. Wir helfen also dabei, uns vom Papier zu lösen.

BOARD: Wie unterstützen Sie europäische Firmen bei dieser Reise?

Keith Krach: DocuSign erleichtert die digitale Transformation für Unternehmen, da wir ein starkes und bezifferbares Werteversprechen in punkto Topund Bottom-Line der Firmen abgeben. Zweitens ist es eine großartige Kundenerfahrung und das ist der Schlüssel für die Zufriedenheit des Kunden in der digitalen Transformation. Drittens geht es uns darum, das Risiko mit Hinblick auf Konformität und Sicherheit in Authentifizierung, Datenverschlüsselung etc. zu reduzieren. Wichtig ist auch die Schnelligkeit in der Implementierung. Aus europäischer Sicht sind die Chancen groß, da es den weltweiten Handel antreibt und erleichtert.

BOARD: Eine schnelle Durchführung klingt toll, aber wie funktioniert das praktisch?

Keith Krach: Es ist keine jahrelange ERP-Implementierung, man kommt also schnell an Ergebnisse. Hier passt, was Tim Hoettges von der Deutschen Telekom immer sagt: „um das Schiff zu steuern, muss es sich bewegen. Man muss in Bewegung kommen mit schnellen Ergebnissen, DocuSign garantiert uns die.“ DocuSign ist einfach zu implementieren, da es auf einer Cloud basiert und handelsüblich integrierbar ist mit allen relevanten Applikationen für SAP, Salesforce, Microsoft etc. Offene Programmierschnittstellen erleichtern die Integration mit jedem Legacy Code. So werden schnell Resultate erzielt.

BOARD: Gemeinsam mit Tim Hoettges haben Sie gerade angekündigt, einen weiteren Schritt in Ihrer strategischen Partnerschaft mit der Telekom zu gehen. Was hat zu dieser starken Bande mit strategischen deutschen Investoren wie der Telekom oder SAP geführt?

Keith Krach: Es ist sehr wichtig, dass man die Führer jedes Industriezweiges und großer Technologiefirmen als Modellprojekt und Partner hat. SAP hat DocuSign vor vielen Jahren in allen Abteilungen weltweit ausgerollt. Sie sind als Investor und Reseller eingestiegen, genau wie die Telekom. Wenn führende Unternehmen über nachgewiesene, messbare Ergebnisse sprechen, macht das DocuSign sehr viel glaubwürdiger und es schafft Vertrauen. Wie wir immer sagen: Einer der wichtigsten Schlüssel für eine schnelle Integration ist der Champion an der Spitze, der CEO. Darum ist Tim Hoettges nicht nur für die Telekom unentbehrlich, sondern auch für den Rest der Welt.

BOARD: Wie gehen Sie mit deutschen Organisationen und deren Hypersensibilität in punkto Datenschutz um?

Keith Krach: Datenschutz ist heutzutage immens wichtig! Auch deshalb haben wir zur Entwicklung des xDTM-Standards beigetragen, der nachweißbar Qualität misst hinsichtlich Data Privacy, Verfügbarkeit, Sicherheit, Durchsetzbarkeit oder Compliance. Der Aufsichtsrat steht an erster Stelle als Vordenker und Sicherheitsexperte. Wir haben den Weg geebnet für die Kategorie Digital Transaction Management. Der xDTM-Standard war unerlässlich für das Einführen eines Standards für Vertrauen, besonders für die Deutschen und die Europäer.

BOARD: Die Geschwindigkeit der Industrien weltweit wird aus Silicon Valley vorgegeben. Warum scheint Deutschland trotz Technologie, finanzieller Mittel und Human Ressource dem Silicon Valley hinterherzuhinken?

Keith Krach: Die Deutschen haben immer wieder bewiesen, dass ihre Arbeitsmoral eine der stärksten der Welt ist, sie besitzen technologische Stärke, Einfallsreichtum und Disziplin. Sie sind weltführend in wertschöpfenden Industrien wie Chemie, Pharmazie, sowie der Automobil- und Produktionstechnologie. Sie setzen weltweit Qualitätsstandards. Zusammen mit ihrer finanziellen Stärke ist das ein immenser Vorteil. Dennoch bewegen sich deutsche Firmen manchmal nicht so schnell wie amerikanische. Ich sage immer „nicht der Große frisst den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen.“ Geschwindigkeit ist die neue Währung und Speed-to-Result ein Vorteil im Wettbewerb. Disruptive Firmen nutzen uns als Waffe im Konkurrenzkampf, da wir Entscheidungen, Verträge und Abstimmungsprozesse beschleunigen.

BOARD: Welchen Effekt auf die europäische Wirtschaft erwarten Sie von der Machtverschiebung zu Netzwerken mit viralem Effekt?

Keith Krach: Sehen Sie sich Ariba an, 1,3 Billionen Dollar Handelswert werden jedes Jahr über das Ariba-Netzwerk generiert, das ich vor 20 Jahren aufgebaut habe. Das ist mehr als amazon, eBay und Alibaba zusammen. Was es aber deutlich zeigt, ist die Macht von viralen Netzwerken, die schnellen Handel ermöglichen. Das sind Schlüsselnetzwerke für jede Wirtschaft, da sie Käufer und Verkäufer zusammenführen. Sie steigern auch globalen Handel und die Geschwindigkeit im Business, im Ergebnis werden sie also das Bruttosozialprodukt der Welt erhöhen. Die Analogie des Ariba- Netzwerks passt gut zum DocuSign Global Trust Network, da Vertrauen und Geschwindigkeit unsere Schlüsselfaktoren sind.

BOARD: Bei all diesen disruptiven Veränderungen, wo sehen Sie unsere globalen Herausforderungen für die Zukunft?

Keith Krach: Eine ist in jedem Fall Bildung, in punkto qualifizierte Arbeitskräfte und um dem weltweiten Mangel an Ingenieuren und IT-Spezialisten entgegenzuwirken. Wir müssen digitale Bildungslösungen wie zum Beispiel Online-Lernen vorantreiben und der Bildung die digitale Power geben. Diese Woche hat Purdue, die größte ingenieurswissenschaftliche Universität der Vereinigten Staaten, an der ich studiert und jüngst als Vorstandsvorsitzender fungiert habe, eine der größten Online-Plattformen in den USA namens Kaplan gekauft. Die Idee dahinter ist, eine unglaubliche Technologieplattform allen dort eingeschriebenen Studenten zugänglich zu machen und mehr Menschen zu erreichen, insbesondere im Bereich Wissenschaft, Technologie, Ingenieurswesen und Mathematik. Ich glaube zudem, dass wir im Hinblick auf globale Sicherheit und Terrorismus wachsam sein müssen. Auf praktischer Ebene allerdings, ist die wichtigste Herausforderung die digitale Transformation.

BOARD: DocuSign hat starke Kernprinzipien und ein revolutionäres Ziel. Nutzen Sie einen gemeinsamen Gegner als stärkste Triebfeder für Motivation?

Keith Krach: Unsere Mission, die Art, Business zu machen und das Leben der Menschen auf sichere Weise zu verändern, ist unsere größte Inspiration. Selbstverständlich ist es auch motivierend, einen gemeinsamen Gegner zu haben, auf den man sich konzentrieren kann. Unser Team ist auf unsere hehre Mission fokussiert, aber wir lieben auch den Wettkampf. Einen Krieg gegen das Papier anzuzetteln, vereint, denn es ist sonnenklar, was wir tun müssen und was die Folgen sein werden, wenn es uns gelingt. Ich glaube, ich habe mein ganzes Berufsleben mit dem Kampf gegen das Papier zugebracht.

BOARD: Sie waren der jüngste Vizepräsident von General Motors, haben Ihre Manager-Karriere gegen eine ungewisse Zukunft als Unternehmer getauscht, hatten immensen Erfolg bei Rasna Corporation, Ariba und jetzt DocuSign. Was treibt Sie an?

Keith Krach: Privat, meine Familie. Im Beruflichen geht es darum, die Art und Weise, wie Business gemacht wird, zu verändern und das Leben der Menschen zu verbessern, die weniger vom Glück begünstigt sind als wir. Außerdem bin ich ein Baumeister, ich habe mich darauf konzentriert Dinge zu kreieren, zudem liebe ich es, mich mit anderen zu messen und zu gewinnen. Im Software-Geschäft muss man der Leitwolf sein, man muss Standards schaffen. Ich liebe die Arbeit in einem großartigen Team und den Spaß. Wir nehmen unser Geschäft ernst, aber nicht uns selbst. Das Leben ist zu kurz, um auf diese Art von Humor zu verzichten.

Verena Fink

BOARD: Was außer Disruption und Spaß sind Ihre persönlichen Erfolgsfaktoren?

Keith Krach: Ich umgebe mich gern mit großartigen Menschen, die klüger sind als ich. Erfolg ist für mich keine Frage des Glücks, meine Definition von Glück ist „Vorbereitung trifft auf Gelegenheit“. Je härter man arbeitet, desto mehr Glück hat man. Unsere Kultur ist stark wertegesteuert. Wir orientieren uns an einem hohen Wertestandard, der Integrität, Respekt, Höflichkeit, Mut, Ehrgeiz beinhaltet – hehre Werte, die uns in Ausführung unserer Mission lenken. Absolut sicher ist, dass ich jeden Erfolg in meinem Leben meiner lieben Frau Metta verdanke. Ich könnte nicht ohne sie.

BOARD: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Das gesamte Interview finden Sie auch hier in Englisch!

 

 

 

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